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Schlagwort-Archive: Dora Hajek

Kurzporträt: Dagmar Zipprich

In den Anfangsjahren waren am Literaturinstitut Johannes R. Becher Studentinnen noch unterrepräsentiert. So wurde im Jahrgang 1960 von zehn Student:innen nur eine Frau immatrikuliert.

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Forschungsaufenthalt im Sächsischen Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig

Die Stadt Leipzig, als Buchdruck-, Messe-, Verlags- und Heldenstadt bekannt, gilt seit jeher als historisches Zentrum für Kunst, Kultur, Technik und Wissenschaft. Hier ist auch seit 1912 die „Deutsche Bücherei“ ansässig, welche inzwischen einen Teil der Deutschen Nationalbibliothek bildet. Ab 1955 befand sich in Leipzig das „Institut für Literatur Johannes R. Becher“, dessen Absolventen im Forschungsprojekt „Literarisches Feld DDR. Autor*innen, Werke. Netzwerke“ in Bezug auf Biogramm, wie Ausbildung, Berufe, Netzwerke, literarisches Schaffen, Mitgliedschaften und Auszeichnungen untersucht werden.

Eine wichtige Forschungsgrundlage für dieses Vorhaben befindet sich im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig: Hier werden neben Nachlässen, Archivalien und Sammlungsgut u.a. auch die Akten des Instituts – als der ersten deutschen Ausbildungsstätte für Autor*innen – bewahrt und aufbereitet.

Nach vorangegangenem intensiven fachlichen Austausch mit umfangreichem Schriftwechsel besuchten im Sommer 2022 die Verfasserin und ein Doktorand der Humboldt-Universität zu Berlin das Sächsische Staatsarchiv. Von breitem Forschungsinteresse waren hier insbesondere die einzelnen frühen Jahrgänge der Immatrikulations-Akten der inzwischen verstorbenen Schriftsteller*innen des Instituts für Literatur, wie z.B. Friedrich Coburger, Dietmar Cramer, Dora Hajek, Ilse Kaden, Anne Krulisch und Angelika Obermann. Eingesehen werden konnten außerdem Lebensläufe, Bewerbungen, Beurteilungen und Zeugnisse, Delegierungsschreiben von Betrieben und Einrichtungen, Zeitungsausschnitte, Fotos sowie andere Akten des Instituts.

Foto: Florian Jacob. Mit freundlicher Genehmigung des Staatsarchivs Leipzig

Die einzigartigen Archivalien vermitteln wichtige Lebenszeugnisse der Schriftsteller*innen, berichten über den beruflichen Werdegang zum/r Autor*in, über literarische Pläne und Tätigkeiten, Gruppenbildungen sowie Studieninhalte und Abschlüsse. Für die Erschließung des Literarischen Feldes DDR-Literatur sind umfangreiche und verlässliche Daten gerade auch zu den nichtkanonisierten Autor*innen notwendig. Die hier erstmals untersuchten Datenbestände schaffen eine neue Grundlage für die Erforschung der DDR-Literatur, ermöglichen weiterführende Forschungsfragen und Analysen, wie zur sozialen Herkunft, Karrierewegen, literarischen Austauschprozessen und der Rekonstruktion der literarischen Verhältnisse der DDR.

Die Autorin dankt den Mitarbeitern des Archivs, Frau Fechner und Herrn Voigt, für fachliche Auskünfte, Bereitstellung der Archivakten sowie die freundliche und sachkundige Unterstützung der Forschungsarbeiten.

Von Marianne Jacob

Kurzporträt: Friedrich Blass

Mit freundlicher Genehmigung von Käthe Blass

Friedrich Blass, Sohn eines Zimmermanns und einer Hausfrau wurde im September 1928 in Czernowitz geboren.[1]Friedrich Blass: Interview mit Marianne Jacob. Blass ist der erste und zugleich der älteste von mir interviewte Autor in der Reihe der Fragebogenaktion „Autoren Antworten“. Czernowitz war in dieser Zeit eine heterogene rumänische Stadt mit einer interkulturellen Bevölkerung aus Deutschen, Russen, Ukrainern, Polen und Juden. Nach dem Ribbentrop-Molotow-Pakt (1939) zwischen Hitler und Stalin wurde die Stadt im Juni 1940 besetzt und die deutsche Bevölkerung mit der Parole „Heim ins Reich“ in heutige polnische Gebiete umgesiedelt. Czernowitz musste später eine wechselvolle Geschichte durchleben, gehörte 1940-41 zur UdSSR, danach bis 1944 zu Rumänien, anschließend zur UdSSR, sie befindet sich heute in der Ukraine. Auch Familie Blass wurde umgesiedelt und kam nach dem II. Weltkrieg als Flüchtling  nach Bitterfeld.[2]Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Blass arbeitete nach dem Besuch der 10. Klasse seit 1945 als Arbeiter, erhielt eine Ausbildung als Zahntechniker und besuchte diverse Kurse an Volkshochschulen;[3]Ebenda später zog er nach Halle. Hier war er im „Zirkel Schreibender Arbeiter“ und veröffentlichte seine erste Arbeit in der Anthologie „Greif zur Feder, Kumpel“.[4]Herbert Jacob: Literatur in der DDR. Bibliographische Annalen 1945-1962. Bd 2, S. 890 und Bd 3, S. 890. Berlin 1986. Später schrieb er Kurzgeschichten, vor allem Erzählungen für Kinder.[5]Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob Der Autor studierte von 1959 bis 1960 im Direktstudium am Literaturinstitut Johannes R. Becher und hat, wie aus der Fragebogenaktion hervorgeht, noch eine lebhafte Erinnerung an viele Studierende aus dieser Zeit, wie z.B. an Dora Hajek, Lisa Wolfram, Günter Rumposch, Paul Rölle und Fritz Wege. Nach dem Studium war Blass Verlagsassistent und später Lektor[6]Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. am 1960 neugegründeten DDR-Verlag für Grundstoffindustrie, einem Fachverlag für Bergbau und Energie, mit Sitz in Leipzig, der 1990 von der Treuhand verkauft, später eingestellt wurde und damit das gleiche Schicksal, wie fast alle DDR-Verlage erlitt.[7]Friedrich Blass: Interview mit Marianne Jacob. Im Jahre 1982 zog Blass nach Berlin und verstarb hier 2020.[8]Die Autorin dankt Burkhard Blass und Frau Käthe Blass für die weiterführenden Auskünfte und die Unterstützung der Forschungsarbeiten.

Von Marianne Jacob

References

References
1 Friedrich Blass: Interview mit Marianne Jacob. Blass ist der erste und zugleich der älteste von mir interviewte Autor in der Reihe der Fragebogenaktion „Autoren Antworten“.
2, 6 Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
3 Ebenda
4 Herbert Jacob: Literatur in der DDR. Bibliographische Annalen 1945-1962. Bd 2, S. 890 und Bd 3, S. 890. Berlin 1986.
5 Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob
7 Friedrich Blass: Interview mit Marianne Jacob.
8 Die Autorin dankt Burkhard Blass und Frau Käthe Blass für die weiterführenden Auskünfte und die Unterstützung der Forschungsarbeiten.