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Kurzporträt: Karl Sewart

Es gibt recht bemerkenswerte Beispiele dafür, wie ein gewöhnlicher Lehrer auch erfolgreicher Buchautor werden konnte; sind doch die Aufgabenbereiche von Pädagogen und Schriftstellern teilweise durchaus überschneidend: Beide müssen recherchieren, beobachten, zuhören, vermitteln und erzählen können.

Auch unter den Absolventen der Leipziger Autorenschule gab es Schreibende Lehrer oder Lehrer als Schriftsteller, wie beispielsweise Wolfgang Buschmann und Karl Sewart.

Der erzgebirgische Schriftsteller Karl Sewart (geb. 1933), Sohn eines Lehrers, später verheiratet mit einer Lehrerin, studierte nach dem Abitur 1952 Berufspädagogik und Naturwissenschaften in Gotha, arbeitete anschließend als Berufsschullehrer in Merseburg und war seit 1956 Lehrer an der Schule in Großolbersdorf (Erzgebirge). 1961 studierte er zusätzlich Kunsterziehung am Pädagogischen Institut in Erfurt.[1]Dietmar Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.

Von 1970 bis 1973 war er Student am Leipziger Literaturinstitut bei Rothbauer, Kanzog und Max-Walther Schulz. Seine Mitstudenten sind u.a. Jürgen Köditz, Martin Meißner, Gunter Preuß, Horst Seidel und Armin Cronauge (+) gewesen. Seit dem Studienabschluss war Sewart freiberuflich schriftstellerisch tätig. Er fühlte sich besonders den Autoren Wolfgang Buschmann und Wolfgang Eckert verbunden.[2]Ebd.

Foto: Karl Sewart. Mit freundlicher Genehmigung von Dietmar Sewart

In Zusammenarbeit mit dem damaligen Lektor des Mitteldeutschen Verlags Klaus Walther veröffentlichte er 1972 drei Erzählungen unter dem Titel „Gambit“,[3]Sewart: Dietmar: Gambit. Enth.: Gambit, Heimkehr eines Rades. Die Kündigung. Halle 1972. einem Begriff aus dem Schachspiel: Außergewöhnliches geschieht hier in der Titelerzählung in den letzten Kriegstagen 1945: Richard Heschke, Rektor einer Schule (!), fesselt seinen Sohn, um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren. „Ich zwing dich zum Leben“ wurde von der DEFA 1977 verfilmt. „Die Kündigung“ wurde 1983 für das Fernsehen der DDR bearbeitet.

Zu Sewarts weiterem literarischen Schaffen gehört auch das Kinderbuch „Der Geburtstagsspaziergang“ (Arbeitstitel: Holger und seine Autos), das 1977 zu einer Zeit im Kinderbuchverlag Berlin erschien, in der auch Bücher weiterer ehem. Absolventen des Literaturinstituts Leipzig wie Gunter Preuß, Roland Neumann, Brigitte Birnbaum, Hannes Hüttner (†) und Werner Lindemann (†) veröffentlicht wurden.[4]Auskunft: Herbert Jacob, Begründer der „Bibliographischen Annalen. Literatur in der DDR“. – Vgl. auch Bundesarchiv, Druckgenehmigung DR 1/2281/426.

Foto: Florian Jacob. Mit freundlicher Genehmigung von Dietmar Sewart

Sewarts kurzweilige Betrachtungen und Schilderungen „99 Ehen und eine Scheidung“, waren so erfolgreich, dass sie in der DDR sieben Auflagen erlebten. Der Schriftsteller erhielt mehrere Auszeichnungen wie den Förderpreis des Literaturinstituts und des Mitteldeutschen Verlages Halle 1972.[5]Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Nach der Wende befasste sich der Autor überwiegend mit erzgebirgischem Lokalkolorit, u.a. einer Geschichte über den berüchtigten erzgebirgischen Wildschützen Carl Stülpner. Karl Sewart verstarb am 2. Januar 2019.[6]Die Autorin dankt seinem Bruder Dietmar Sewart, Großolbersdorf, herzlich für die freundliche Unterstützung.

Von Marianne Jacob

References

References
1 Dietmar Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
2 Ebd.
3 Sewart: Dietmar: Gambit. Enth.: Gambit, Heimkehr eines Rades. Die Kündigung. Halle 1972.
4 Auskunft: Herbert Jacob, Begründer der „Bibliographischen Annalen. Literatur in der DDR“. – Vgl. auch Bundesarchiv, Druckgenehmigung DR 1/2281/426.
5 Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
6 Die Autorin dankt seinem Bruder Dietmar Sewart, Großolbersdorf, herzlich für die freundliche Unterstützung.

Kurzporträt: Horst Matthies

Der in der Wahlheimat Karl Mays, in Radebeul bei Dresden, geborene Horst Matthies erlernte zunächst den Beruf eines Bergmanns im VEB Steinkohlenwerk Karl Marx in Zwickau, arbeitete danach in Freital als Hauer „und diente, bis ihn das Schreiben unerwartet überfiel“[1], 10 Jahre lang im Polizeidienst[2]. Er studierte ab 1967 drei Jahre am Literaturinstitut und es „entwickelten sich freundschaftliche Beziehungen, wie etwa mit Waldemar Spender, Manfred und Brigitte Boden […], Dieter Beier, Elisabeth Semrau (später Ehefrau von Max Walter Schulz), Siegfried Weinhold, Klaus Bourquain“[3]. Obwohl das Studium nun schon etliche Jahre zurückliegt, erinnert er sich in der Fragebogenauskunft gut an viele Dozenten und beschreibt damit ein umfangreiches Bild der vielfältigen Lehrveranstaltungen u.a. bei Joachim Nowotny (Prosa), Günter K. Lehmann (Ästhetik), Hans Pfeifer (Dramatik), Kurt Kanzog (Klassische deutsche Literatur), Roland Opitz (Sowjetliteratur), Dietrich Allert (Gegenwartsliteratur), Horst Pickert (Philosophie), Ursula Sczeponik (Gegenwartsliteratur), Gerhard Rothbauer (Stilistik), Marianne Hübscher (Gastdozentin für Kunstgeschichte). Matthies‘ Abschlußabeit behandelte „das sozialistische Menschenbild – Bedingungen seiner Entwicklung und die Aufgaben der Literatur“.[4] 

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Lehrende am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“: zum Beispiel Trude Richter, Gerhard Rothbauer, Georg Maurer

Eigensinn und soziale Alltagspraxis schlugen sich nur bedingt in Dokumenten nieder. Einer Literaturgeschichtsschreibung, die sich vorrangig auf administrative Papiere (also ideologische Einflussversuche und Zielvorstellungen) als Quellen stützt, muss diese Parallelität und Komplexität der DDR-Alltagsgeschichte entgehen. Offizielle Verlautbarungen und praktizierter Lehrbetrieb sind nicht deckungsgleich. Was die Studierenden am Literaturinstitut erlebten, war in starkem Maße abhängig von der Persönlichkeit ihrer Dozent*innen. Deren Ausstrahlung prägte den am Institut herrschenden Geist, wenn auch das Ministerium für Kultur auf den Lehrplan Einfluss zu nehmen versuchte und sich zeitweise Seminarunterlagen und Abschlussarbeiten vorlegen ließ. In Zeitzeugeninterviews kommen Absolvent*innen immer wieder wertschätzend auf Georg Maurer, Gerhard Rothbauer, Trude Richter, Peter Gosse, Hubert Witt oder Ralf Schröder zu sprechen.[1]Rothbauer unterrichtete u.a. Stilistik, Witt ab 1986 das Fach Weltliteratur. Siehe auch Hubert Witt: Leipziger Dichterschule, in: Sprache im technischen Zeitalter 116 (1990), S. 321–329. Der … Continue reading

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References

References
1 Rothbauer unterrichtete u.a. Stilistik, Witt ab 1986 das Fach Weltliteratur. Siehe auch Hubert Witt: Leipziger Dichterschule, in: Sprache im technischen Zeitalter 116 (1990), S. 321–329. Der Slawist Ralf Schröder unterrichtete als Gastdozent sowjetische Literatur. Er war von 1957 bis 1964 als politischer Häftling in Bautzen gewesen.

Kurzporträt: Kerstin Hensel

Kerstin Hensel, geboren 1961 in Karl-Marx-Stadt (bis 1953 Chemnitz), studierte von 1983 bis 1985 am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“, zunächst im Fern-, dann im Direktstudium. Die bei Studienbeginn erst 22-Jährige und damit jüngste Studentin in der Geschichte des Instituts hatte zuvor als chirurgische Schwester gearbeitet. Sie stammte aus einer Arbeiterfamilie und hatte Gedichte an die „Poetensprechstunde“, eine Rubrik der Zeitung „Junge Welt“, geschickt, woraufhin die junge Frau an den Zirkel Schreibender Arbeiter im Karl-Marx-Städter Werkzeugmaschinenkombinat Fritz Heckert verwiesen worden war. Dessen Leiterin Gabriele Berthel (selbst von 1981 bis 1984 Fernstudentin am Literaturinstitut) ermutigte sie zur Bewerbung. Für Hensel eröffnete sich damit ein Weg, auch ohne Abitur ein Studium aufnehmen zu können, als erste ihrer Familie.

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