Home » Beitrag verschlagwortet mit 'Herbert Jacob'

Schlagwort-Archive: Herbert Jacob

Kurzporträt: Friedrich Blass

Mit freundlicher Genehmigung von Käthe Blass

Friedrich Blass, Sohn eines Zimmermanns und einer Hausfrau wurde im September 1928 in Czernowitz geboren.[1]Friedrich Blass: Interview mit Marianne Jacob. Blass ist der erste und zugleich der älteste von mir interviewte Autor in der Reihe der Fragebogenaktion „Autoren Antworten“. Czernowitz war in dieser Zeit eine heterogene rumänische Stadt mit einer interkulturellen Bevölkerung aus Deutschen, Russen, Ukrainern, Polen und Juden. Nach dem Ribbentrop-Molotow-Pakt (1939) zwischen Hitler und Stalin wurde die Stadt im Juni 1940 besetzt und die deutsche Bevölkerung mit der Parole „Heim ins Reich“ in heutige polnische Gebiete umgesiedelt. Czernowitz musste später eine wechselvolle Geschichte durchleben, gehörte 1940-41 zur UdSSR, danach bis 1944 zu Rumänien, anschließend zur UdSSR, sie befindet sich heute in der Ukraine. Auch Familie Blass wurde umgesiedelt und kam nach dem II. Weltkrieg als Flüchtling  nach Bitterfeld.[2]Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Blass arbeitete nach dem Besuch der 10. Klasse seit 1945 als Arbeiter, erhielt eine Ausbildung als Zahntechniker und besuchte diverse Kurse an Volkshochschulen;[3]Ebd. später zog er nach Halle. Hier war er im „Zirkel Schreibender Arbeiter“ und veröffentlichte seine erste Arbeit in der Anthologie „Greif zur Feder, Kumpel“.[4]Herbert Jacob: Literatur in der DDR. Bibliographische Annalen 1945-1962. Bd 2, S. 890 und Bd 3, S. 890. Berlin 1986. Später schrieb er Kurzgeschichten, vor allem Erzählungen für Kinder.[5]Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob Der Autor studierte von 1959 bis 1960 im Direktstudium am Literaturinstitut Johannes R. Becher und hat, wie aus der Fragebogenaktion hervorgeht, noch eine lebhafte Erinnerung an viele Studierende aus dieser Zeit, wie z.B. an Dora Hajek, Lisa Wolfram, Günter Rumposch, Paul Rölle und Fritz Wege. Nach dem Studium war Blass Verlagsassistent und später Lektor[6]Käthe Blass: Fragebogenauskunft an M.J. am 1960 neugegründeten DDR-Verlag für Grundstoffindustrie, einem Fachverlag für Bergbau und Energie, mit Sitz in Leipzig, der 1990 von der Treuhand verkauft, später eingestellt wurde und damit das gleiche Schicksal, wie fast alle DDR-Verlage erlitt.[7]Friedrich Blass: Interview mit M.J. Im Jahre 1982 zog Blass nach Berlin und verstarb hier 2020.[8]Die Autorin dankt Burkhard Blass und Frau Käthe Blass für die weiterführenden Auskünfte und die Unterstützung der Forschungsarbeiten.

Von Marianne Jacob

References

References
1 Friedrich Blass: Interview mit Marianne Jacob. Blass ist der erste und zugleich der älteste von mir interviewte Autor in der Reihe der Fragebogenaktion „Autoren Antworten“.
2 Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
3 Ebd.
4 Herbert Jacob: Literatur in der DDR. Bibliographische Annalen 1945-1962. Bd 2, S. 890 und Bd 3, S. 890. Berlin 1986.
5 Käthe Blass: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob
6 Käthe Blass: Fragebogenauskunft an M.J.
7 Friedrich Blass: Interview mit M.J.
8 Die Autorin dankt Burkhard Blass und Frau Käthe Blass für die weiterführenden Auskünfte und die Unterstützung der Forschungsarbeiten.

Kurzporträt: Gerd Bieker

Betrachtet man Veröffentlichungen bekannter, aber auch unbekannterer Künstler*innen, geht es ihnen nicht nur um Alltag, Sehnsucht, Schicksal und Begehren. Verarbeitet werden auch andere Themen, ohne dass die Publizierenden zugleich auch politische oder umweltpolitische Demagog*innen sein müssten.[1]Vgl. Gerd Bieker: Interview mit Marianne Jacob. 2021

So verfasste Gerd Bieker den Roman „Die Dorflinde“.[2]Gerd Bieker: Die Dorflinde. 1987. In dem generationsübergreifenden Jugendbuch, welches in der erzgebirgischen Heimat des Dichters spielt, fallen Hecken und Gehölze an Feldrändern der Erweiterung von Feldflächen zum Opfer. Auch die uralte Linde im Dorf soll gefällt werden. Ob diese doch noch gerettet werden konnte und inwiefern man Erfahrungen alter Bauern aufnehmen sollte, verrät uns dieses Buch.

Gerd Bieker bei seiner täglichen Presseschau.[3]Gerd Bieker: Kartengruß an Marianne.Jacob, 17. 12. 2021. Mit freundlicher Genehmigung von Gerd Bieker

Gerd Bieker, Sohn eines Hauptbuchhalters und einer Sekretärin, lebte über 60 Jahre in Chemnitz/ Karl-Marx-Stadt.[4]Gerd Bieker: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Der in Grünhainichen Gebürtige arbeitete seit seiner Buchdruckerlehre bei der „Volksstimme“ in Chemnitz/sp. Karl-Marx-Stadt, seit 1957 ebendort als Zeitungsdrucker an Rotationsmaschinen.[5]Ebenda. Er war von 1960-1963, u.a. neben Wolfgang Eckert, Alfons Linnhofer (†) und Klaus Steinhaußen (†) Direktstudent am Becher-Institut in Leipzig. Nach dem Studium veröffentlichte er 1963 mit den Absolventen des Instituts Günter Glante und Rolf Merckel (†) eine „Zirkusreportage“. Bieker wirkte als Kulturinstrukteur beim Kulturbund der DDR und leitete mehrere Zirkel Schreibender Arbeiter, bevor er 1970 freischaffender Autor wurde.[6]Ders. ebenda.

„Mit dem Satz: ‚Dieses Buch hat nichts mit unserem sozialistischen Lebensgefühl gemein!‘, begann Erich Honecker 1965 auf dem 11. ZK (M.J.: der SED)- („Kahlschlag“)-Plenum seine Beschimpfung der Schriftsteller […]. Gemeint war mein Debütroman „Sternschnuppenwünsche“. Auf sein Veto hin, wurde die erste Druckauflage […] gecancelt. Aber die Personagen wechselten; nach fünf Jahren Denk- und Lektoratszeit erschien das Buch in üppigen Auflagen.“[7]Ebd.

Bieker reiste mehrfach in die UdSSR und nach Rumänien, um Kontakt zu den dortigen Schriftstellerverbänden zu halten. Zu seinen literarischen Vorbildern zählt er Jerome D. Salinger, Thomas Wolfe und die Russischen Dorfliteraten.[8]Ders. ebd. Veröffentlicht hat er selbst Erzählungen, Romane, Reportagen und auch einige Kinderhörspiele.[9]Bieker bedankte sich in einem Brief für die Forschungs- und Fragebogen-Arbeiten am DDR-Literaturprojekt mit den Worten: „Das Vorhaben ist für mich und gewiß auch andere Kollegen sehr … Continue reading

Gerd Bieker verstarb unerwartet am 12. Juli 2022.[10]Auskunft: Herbert Jacob und Wolfgang Eckert.

Von Marianne Jacob

References

References
1 Vgl. Gerd Bieker: Interview mit Marianne Jacob. 2021
2 Gerd Bieker: Die Dorflinde. 1987.
3 Gerd Bieker: Kartengruß an Marianne.Jacob, 17. 12. 2021.
4 Gerd Bieker: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
5 Ebenda.
6 Ders. ebenda.
7 Ebd.
8 Ders. ebd.
9 Bieker bedankte sich in einem Brief für die Forschungs- und Fragebogen-Arbeiten am DDR-Literaturprojekt mit den Worten: „Das Vorhaben ist für mich und gewiß auch andere Kollegen sehr ermunternd“. Gerd Bieker: Brief an Marianne Jacob, April 2021.
10 Auskunft: Herbert Jacob und Wolfgang Eckert.

Kurzporträt: Karl Sewart

Es gibt recht bemerkenswerte Beispiele dafür, wie ein gewöhnlicher Lehrer auch erfolgreicher Buchautor werden konnte; sind doch die Aufgabenbereiche von Pädagogen und Schriftstellern teilweise durchaus überschneidend: Beide müssen recherchieren, beobachten, zuhören, vermitteln und erzählen können.

Auch unter den Absolventen der Leipziger Autorenschule gab es Schreibende Lehrer oder Lehrer als Schriftsteller, wie beispielsweise Wolfgang Buschmann und Karl Sewart.

Der erzgebirgische Schriftsteller Karl Sewart (geb. 1933), Sohn eines Lehrers, später verheiratet mit einer Lehrerin, studierte nach dem Abitur 1952 Berufspädagogik und Naturwissenschaften in Gotha, arbeitete anschließend als Berufsschullehrer in Merseburg und war seit 1956 Lehrer an der Schule in Großolbersdorf (Erzgebirge). 1961 studierte er zusätzlich Kunsterziehung am Pädagogischen Institut in Erfurt.[1]Dietmar Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.

Von 1970 bis 1973 war er Student am Leipziger Literaturinstitut bei Rothbauer, Kanzog und Max-Walther Schulz. Seine Mitstudenten sind u.a. Jürgen Köditz, Martin Meißner, Gunter Preuß, Horst Seidel und Armin Cronauge (+) gewesen. Seit dem Studienabschluss war Sewart freiberuflich schriftstellerisch tätig. Er fühlte sich besonders den Autoren Wolfgang Buschmann und Wolfgang Eckert verbunden.[2]Ebd.

Foto: Karl Sewart. Mit freundlicher Genehmigung von Dietmar Sewart

In Zusammenarbeit mit dem damaligen Lektor des Mitteldeutschen Verlags Klaus Walther veröffentlichte er 1972 drei Erzählungen unter dem Titel „Gambit“,[3]Sewart: Dietmar: Gambit. Enth.: Gambit, Heimkehr eines Rades. Die Kündigung. Halle 1972. einem Begriff aus dem Schachspiel: Außergewöhnliches geschieht hier in der Titelerzählung in den letzten Kriegstagen 1945: Richard Heschke, Rektor einer Schule (!), fesselt seinen Sohn, um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren. „Ich zwing dich zum Leben“ wurde von der DEFA 1977 verfilmt. „Die Kündigung“ wurde 1983 für das Fernsehen der DDR bearbeitet.

Zu Sewarts weiterem literarischen Schaffen gehört auch das Kinderbuch „Der Geburtstagsspaziergang“ (Arbeitstitel: Holger und seine Autos), das 1977 zu einer Zeit im Kinderbuchverlag Berlin erschien, in der auch Bücher weiterer ehem. Absolventen des Literaturinstituts Leipzig wie Gunter Preuß, Roland Neumann, Brigitte Birnbaum, Hannes Hüttner (†) und Werner Lindemann (†) veröffentlicht wurden.[4]Auskunft: Herbert Jacob, Begründer der „Bibliographischen Annalen. Literatur in der DDR“. – Vgl. auch Bundesarchiv, Druckgenehmigung DR 1/2281/426.

Foto: Florian Jacob. Mit freundlicher Genehmigung von Dietmar Sewart

Sewarts kurzweilige Betrachtungen und Schilderungen „99 Ehen und eine Scheidung“, waren so erfolgreich, dass sie in der DDR sieben Auflagen erlebten. Der Schriftsteller erhielt mehrere Auszeichnungen wie den Förderpreis des Literaturinstituts und des Mitteldeutschen Verlages Halle 1972.[5]Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Nach der Wende befasste sich der Autor überwiegend mit erzgebirgischem Lokalkolorit, u.a. einer Geschichte über den berüchtigten erzgebirgischen Wildschützen Carl Stülpner. Karl Sewart verstarb am 2. Januar 2019.[6]Die Autorin dankt seinem Bruder Dietmar Sewart, Großolbersdorf, herzlich für die freundliche Unterstützung.

Von Marianne Jacob

References

References
1 Dietmar Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
2 Ebd.
3 Sewart: Dietmar: Gambit. Enth.: Gambit, Heimkehr eines Rades. Die Kündigung. Halle 1972.
4 Auskunft: Herbert Jacob, Begründer der „Bibliographischen Annalen. Literatur in der DDR“. – Vgl. auch Bundesarchiv, Druckgenehmigung DR 1/2281/426.
5 Sewart: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
6 Die Autorin dankt seinem Bruder Dietmar Sewart, Großolbersdorf, herzlich für die freundliche Unterstützung.

Kurzporträt: Rolf Merckel

10 Jahre, nachdem der Deutsche Fernsehfunk mit einem Sender seinen regulären Programmbetrieb aufnahm, begann am 3. September 1967 die Ausstrahlung der ersten Vorabend-Serie im Fernsehen der DDR „Harras, der Polizeihund“ mit der Folge 1 „In letzter Minute“. Szenarist war Rolf Merckel.[1]Obwohl sich Merckel nicht mehr an der Fragebogenaktion beteiligen konnte, wurde er in diese Reihe aufgenommen, da der Verfasserin der handgeschriebene Lebenslauf vorlag. – Vgl. Sammlung Jacob, 1959. Held der Filme, die mit Unterstützung der Deutschen Volkspolizei entstanden und im Studio Halle des DFF produziert wurden, ist Spürnase „Harras“. Er hilft bei der täglichen Polizeiarbeit, Verbrechen aufzudecken und stöbert Straftäter, wie Einbrecher, Brandstifter und Mörder auf. Ausgestrahlt wurden insgesamt nur 3 Folgen der ursprünglich 8-teiligen Serie. 3 Teile davon, bei denen Merckel Autor und Szenarist ist[2]Merckel, Rolf: Szenarium für: F. 5: Mord im Hafen; F. 6: Spiel mit dem Leben, F. 7: Die Party. – Recherche Marianne Jacob., wurden nicht gezeigt, obwohl darin bekannte Schauspieler, wie Hans-Edgar Stecher, Vera Oelschlegel und Jürgen Zartmann (später in Polizeiruf 110) mitwirkten. Die Filme wurden 2016 digital restauriert und als DVD herausgegeben (Studio Hamburg Enterprises); Folge 3 gilt heute leider als verschollen.[3]Vgl. Studio Hamburg Enterprises (Hg.): Harras der Polizeihund. DDR TV-Archiv. 2016 [DVD]. Die Serie „Harras“ stand in der Tradition des russischen Filmes „Polizeihund Muchtar“ (1965 im Kino der DDR gezeigt, 1968 im DFF), der wiederum Vorbild für die österreichische Fernsehserie „Kommissar Rex“ wurde.

(mehr …)

References

References
1 Obwohl sich Merckel nicht mehr an der Fragebogenaktion beteiligen konnte, wurde er in diese Reihe aufgenommen, da der Verfasserin der handgeschriebene Lebenslauf vorlag. – Vgl. Sammlung Jacob, 1959.
2 Merckel, Rolf: Szenarium für: F. 5: Mord im Hafen; F. 6: Spiel mit dem Leben, F. 7: Die Party. – Recherche Marianne Jacob.
3 Vgl. Studio Hamburg Enterprises (Hg.): Harras der Polizeihund. DDR TV-Archiv. 2016 [DVD].