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Kurzporträt: Gerd Bieker

Betrachtet man Veröffentlichungen bekannter, aber auch unbekannterer Künstler*innen, geht es ihnen nicht nur um Alltag, Sehnsucht, Schicksal und Begehren. Verarbeitet werden auch andere Themen, ohne dass die Publizierenden zugleich auch politische oder umweltpolitische Demagog*innen sein müssten.[1]Vgl. Gerd Bieker: Interview mit Marianne Jacob. 2021

So verfasste Gerd Bieker den Roman „Die Dorflinde“.[2]Gerd Bieker: Die Dorflinde. 1987. In dem generationsübergreifenden Jugendbuch, welches in der erzgebirgischen Heimat des Dichters spielt, fallen Hecken und Gehölze an Feldrändern der Erweiterung von Feldflächen zum Opfer. Auch die uralte Linde im Dorf soll gefällt werden. Ob diese doch noch gerettet werden konnte und inwiefern man Erfahrungen alter Bauern aufnehmen sollte, verrät uns dieses Buch.

Gerd Bieker bei seiner täglichen Presseschau.[3]Gerd Bieker: Kartengruß an Marianne.Jacob, 17. 12. 2021. Mit freundlicher Genehmigung von Gerd Bieker

Gerd Bieker, Sohn eines Hauptbuchhalters und einer Sekretärin, lebte über 60 Jahre in Chemnitz/ Karl-Marx-Stadt.[4]Gerd Bieker: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Der in Grünhainichen Gebürtige arbeitete seit seiner Buchdruckerlehre bei der „Volksstimme“ in Chemnitz/sp. Karl-Marx-Stadt, seit 1957 ebendort als Zeitungsdrucker an Rotationsmaschinen.[5]Ebenda. Er war von 1960-1963, u.a. neben Wolfgang Eckert, Alfons Linnhofer (†) und Klaus Steinhaußen (†) Direktstudent am Becher-Institut in Leipzig. Nach dem Studium veröffentlichte er 1963 mit den Absolventen des Instituts Günter Glante und Rolf Merckel (†) eine „Zirkusreportage“. Bieker wirkte als Kulturinstrukteur beim Kulturbund der DDR und leitete mehrere Zirkel Schreibender Arbeiter, bevor er 1970 freischaffender Autor wurde.[6]Ders. ebenda.

„Mit dem Satz: ‚Dieses Buch hat nichts mit unserem sozialistischen Lebensgefühl gemein!‘, begann Erich Honecker 1965 auf dem 11. ZK (M.J.: der SED)- („Kahlschlag“)-Plenum seine Beschimpfung der Schriftsteller […]. Gemeint war mein Debütroman „Sternschnuppenwünsche“. Auf sein Veto hin, wurde die erste Druckauflage […] gecancelt. Aber die Personagen wechselten; nach fünf Jahren Denk- und Lektoratszeit erschien das Buch in üppigen Auflagen.“[7]Ebd.

Bieker reiste mehrfach in die UdSSR und nach Rumänien, um Kontakt zu den dortigen Schriftstellerverbänden zu halten. Zu seinen literarischen Vorbildern zählt er Jerome D. Salinger, Thomas Wolfe und die Russischen Dorfliteraten.[8]Ders. ebd. Veröffentlicht hat er selbst Erzählungen, Romane, Reportagen und auch einige Kinderhörspiele.[9]Bieker bedankte sich in einem Brief für die Forschungs- und Fragebogen-Arbeiten am DDR-Literaturprojekt mit den Worten: „Das Vorhaben ist für mich und gewiß auch andere Kollegen sehr … Continue reading

Gerd Bieker verstarb unerwartet am 12. Juli 2022.[10]Auskunft: Herbert Jacob und Wolfgang Eckert.

Von Marianne Jacob

References

References
1 Vgl. Gerd Bieker: Interview mit Marianne Jacob. 2021
2 Gerd Bieker: Die Dorflinde. 1987.
3 Gerd Bieker: Kartengruß an Marianne.Jacob, 17. 12. 2021.
4 Gerd Bieker: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
5 Ebenda.
6 Ders. ebenda.
7 Ebd.
8 Ders. ebd.
9 Bieker bedankte sich in einem Brief für die Forschungs- und Fragebogen-Arbeiten am DDR-Literaturprojekt mit den Worten: „Das Vorhaben ist für mich und gewiß auch andere Kollegen sehr ermunternd“. Gerd Bieker: Brief an Marianne Jacob, April 2021.
10 Auskunft: Herbert Jacob und Wolfgang Eckert.

Kurzporträt: Klaus Bourquain

Genau wie die ehemalige Studiengruppe (1973) um Wolfgang Knape, der mit Bernd Weinkauf, Fritz Martin Barber und Reinhard Kuhnert heute noch regelmäßig Kontakte unterhält, pflegen auch die ehem. Kommilitonen des Studienjahrganges 1968 bis heute freundschaftlichen Austausch. So hat mich Herr Horst Matthies in Hohen Viecheln am Schweriner See hilfsbereit an Herrn Klaus Bourquain in Bayern weitervermittelt und dieser dankenswerter Weise wiederum an Herrn Ulrich Berkes, der in Berlin-Mitte wohnt.

Klaus Bourquain, Sohn eines Postbeamten, wurde 1938 geboren.[1] Nach dem Abschluß der 8. Klasse[2] absolvierte er eine Berufsausbildung als Brauer und Mälzer in der Börde-Brauerei Magdeburg.[3] „Mitte der fünfziger Jahre siedelte er mit den Eltern und Brüdern in die Bundesrepublik über.“[4] Hier arbeitete er in einer Brauerei in Dortmund[5] und da ihn die „Arbeit in seinem Beruf nicht befriedigte“[6], besuchte er das Industrie- und Dolmetscher-Institut und lernte Englisch.[7] Er hatte die Absicht, nach Australien oder Kanada auszuwandern, „las dann Berichte über den Kolonialkrieg in Algerien“ und „empörte sich“.[8] Bourquain schrieb an „den Präsidenten der Provisorischen Algerischen Republik einen Brief, dass er kommen werde.“[9]

Er trat „1959 in die französische Fremdenlegion ein und floh […].“[10] Bourquain berichtet weiter über sich: „Bei dieser Flucht geriet er in ein Handgemenge mit einem Wachposten und tötete diesen unabsichtlich.“[11] Er wurde von einem Militärgericht „in Abwesenheit zum Tode verurteilt“.[12] Bourquain „war dreieinhalb Jahre Soldat in der algerischen Befreiungsarmee“[13] und hat als deren Angehöriger am Unabhängigkeitskrieg (Algerienkrieg) teilgenommen.[14]

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