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Kurzporträt: Klaus Bourquain

Von Marianne Jacob

Genau wie die ehemalige Studiengruppe (1973) um Wolfgang Knape, der mit Bernd Weinkauf, Fritz Martin Barber und Reinhard Kuhnert heute noch regelmäßig Kontakte unterhält, pflegen auch die ehem. Kommilitonen des Studienjahrganges 1968 bis heute freundschaftlichen Austausch. So hat mich Herr Horst Matthies in Hohen Viecheln am Schweriner See hilfsbereit an Herrn Klaus Bourquain in Bayern weitervermittelt und dieser dankenswerter Weise wiederum an Herrn Ulrich Berkes, der in Berlin-Mitte wohnt.

Klaus Bourquain, Sohn eines Postbeamten, wurde 1938 geboren.[1] Nach dem Abschluß der 8. Klasse[2] absolvierte er eine Berufsausbildung als Brauer und Mälzer in der Börde-Brauerei Magdeburg.[3] „Mitte der fünfziger Jahre siedelte er mit den Eltern und Brüdern in die Bundesrepublik über.“[4] Hier arbeitete er in einer Brauerei in Dortmund[5] und da ihn die „Arbeit in seinem Beruf nicht befriedigte“[6], besuchte er das Industrie- und Dolmetscher-Institut und lernte Englisch.[7] Er hatte die Absicht, nach Australien oder Kanada auszuwandern, „las dann Berichte über den Kolonialkrieg in Algerien“ und „empörte sich“.[8] Bourquain schrieb an „den Präsidenten der Provisorischen Algerischen Republik einen Brief, dass er kommen werde.“[9]

Er trat „1959 in die französische Fremdenlegion ein und floh […].“[10] Bourquain berichtet weiter über sich: „Bei dieser Flucht geriet er in ein Handgemenge mit einem Wachposten und tötete diesen unabsichtlich.“[11] Er wurde von einem Militärgericht „in Abwesenheit zum Tode verurteilt“.[12] Bourquain „war dreieinhalb Jahre Soldat in der algerischen Befreiungsarmee“[13] und hat als deren Angehöriger am Unabhängigkeitskrieg (Algerienkrieg) teilgenommen.[14]

1964 kehrte er in die DDR zurück[15], arbeitete hier als Brauer und besuchte in Magdeburg die Abendschule.[16] 1967 ist er, u.a. neben Egbert Lipowski und Roland Neumann, am Literaturinstitut Leipzig immatrikuliert worden. Ein Jahr später wurde er „mit Wirkung vom 15. März 1968 auf eigenen Wunsch exmatrikuliert“.[17] Klaus Steinhaußen, damals stellvertretender Direktor, schrieb dem Studenten, dass „nach Beratung im Dozenten-Kollektiv“ dem „Antrag zugestimmt“ worden sei.[18] Danach arbeitete Bourquain in verschiedenen Berufen, als Gleisbauhelfer, Waldarbeiter sowie Bühnenarbeiter am Stadttheater in Zeitz.[19] Seit 1971 ist er als freischaffender Autor tätig, war aber zwischenzeitlich in verschiedenen Tätigkeitsfeldern beschäftigt (Abstichmann in Buna, Saisonkraft bei einer LPG, Betonbauer in Rostock, im Krankenhaus Berlin-Köpenick).[20]

Der Autor veröffentlichte Erzählungen über den Algerienkrieg sowie Kinderbücher. Nach dem Ende der DDR folgte ein unstetes Leben: 1991 in München, mehrere Reisen nach Indien und in die Sahara, Arbeiten in einem Behindertenheim bei Güstrow, weiterer Aufenthalt in Indien 1996.[21] Klaus Bourquain gründete 1997 den Verlag „An der See“ mit Herausgabe und Vertrieb des eigenen Buches „Das Göttliche“[22] und lebt heute in Bayern.

„Vor ziemlich langer Zeit, als die Könige noch genauso notwendig waren wie heute Präsidenten, lebte in Afrika ein Sultan.

Er war überzeugt, besser als jeder andere zu wissen, was für das Wohl seines Volkes richtig sei: Aus diesem Grund ließ er jedem den Kopf abschlagen, der anderer Meinung war als er.

So sollte eines Morgens auch ein Bauer hingerichtet werden, der am Markttag in einer Teestube gesagt hatte: „Und wenn unser Sultan, der Herrscher aller Herrscher, doch nicht immer und in jedem kleinsten Fall recht hat?“

Irgend jemand hatte ihn angezeigt.“

Textauszug aus: Bourquain, Klaus: Mein kleines wildes Tier. Märchen und Geschichten. [1:] Ali und der Esel Mustapha. 4. Aufl. Berlin 1988, S. 5.

[1] Klaus Bourquain: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Die Verfasserin dankt Klaus Bourquain herzlich für zahlreiche Dokumente, die er ihr hat zukommen lassen, darunter Beurteilungen und Zeugnisse, Briefe und Dokumente, Abschriften, Beglaubigungen aus Algerien und Deutschland sowie Bücher, Zeitschriftenbeiträge und das Exmatrikulationsschreiben des Instituts für Literatur „Johannes R. Becher“.

[2] Vgl. ders., Abschlußzeugnis der Grundschule.

[3] Ders., Lebenslauf (ungedr.).

[4] Ders., Leben (ungedr.).

[5] Ders., Lebenslauf (ungedr.).

[6] Ders., Leben (ungedr.).

[7] Ders., Lebenslauf (ungedr.).

[8] Ders., Leben (ungedr.).

[9] Ebd. 

[10] Ebd. 

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ders., Schreiben vom 15. 12. 2008.

[14] Ministère de la Défense Nationale. Brief an Klaus Bourquain. Algier, 10.12.1963 (ungedr.).

[15] Klaus Bourquain: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.

[16] Ders., Lebenslauf (ungedr.).

[17] Institut für Literatur: Brief an Klaus Bourquain, 29. 2. 1968 (ungedr.).

[18] Ebd.

[19] Klaus Bourquain: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.

[20] Ebd.

[21] Klaus Bourquain: Lebenslauf (ungedr.).

[22] Ebd.