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Arbeitsbesuch im Literaturhaus Magdeburg

Von Marianne Jacob

Wenn eine eine (Forschungs-)Reise tut… 

Wer weiß schon, dass die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg, die den Beinamen „Ottostadt“ trägt, auch zu Recht den „Ruf einer Bücherstadt“[1]Liane Bornholdt: Literaturhausbesuch. Hrsg.: Literaturhaus Magdeburg, Magdeburg 2007. innehat? Bereits ein kleiner Rückblick in die Kultur- und Literaturgeschichte von Stadt und Region unterstreicht dies:

Das Literaturhaus Magdeburg, Frühjahr 2022. Foto: Florian Jacob

Vor 815 Jahren (1207) wurde die Frauenmystikerin Mechthild von Magdeburg geboren, 1483 entstand in der Magdeburger Druckerei von Bartholomäus Gothan eine der kostbarsten Inkunabeln, späte wirkte hier Wilhelm Raabe (1831-1910) als Buchhandelslehrling, im 18. Jahrhundert gründete sich um Klopstock, Gleim und Anna Luise Karsch die literarische Magdeburger Mittwochsgesellschaft und hier ist die Geburtsstadt von Erich Weinert (1890-1953).

Im Frühling 2022 weilten die Verfasserin und ein Student der Humboldt-Universität zu Berlin zu Forschungsarbeiten im „Literaturhaus Magdeburg“. Das Literaturhaus versteht sich als lebendiger Ort der Begegnung zwischen Autor*innen, Literaturinteressierten, Forschenden und Lehrenden. Es fördert das literarische Schaffen und die Lesekultur, unterbreitet Bildungsangebote, führt Projekttage, Ausstellungen und Schreibkurse durch, unterstützt Schüler und Lehrer und pflegt das regionale literarische Erbe. Das Literatur-Archiv sammelt, bewahrt, verwaltet und erschließt eine beachtliche Sammlung von Nachlässen und Quellenmaterialien von bekannten Autor*innen. Dazu gehören insbesondere auch die DDR-Schriftsteller*innen Birgit Herkula, Inge Meyer, Heinz Glade, Heinz Kruschel und Ronald M. Schernikau. 

Nachlassmaterialien von Birgit Herkula im Literaturhaus Magdeburg. Foto: Florian Jacob

Anlass der Reise war ein Einblick in die Materialsammlung zum Autor Erich-Günter Sasse sowie Recherche und Forschung in der größeren Spezialsammlung über die in Magdeburg verstorbene Autorin und Herausgeberin Birgit Herkula (1960-2020). Vieles bisher Unbekannte zu Biographie, Schaffen und Wirken der Autorin konnte in den teils ungedruckten Archivmaterialien eruiert werden: ihre Gründung einer erfolgreichen „Schreibwerkstatt für Frauen“, Veröffentlichungen und Herausgaben von Büchern und Periodika, Preise und Stipendien. Zu ihrem literarisch wirksamen Schaffen gehörte auch die seit 1994 anhaltende Durchführung von zahlreichen „multimedialen Schreib- und Entdeckerprojekten“[2]Birgit Herkula: Selbstauskunft: Projekte Ungedr. 2017. mit Schüler*innen und Lehrer*innen an Grundschulen, Sekundarschulen und Förderschulen auch im Rahmen von Kinderkulturtagen, oder gemeinsam mit dem Puppentheater Magdeburg sowie dem Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen Anhalt e.V. Alle die eingesehenen biographisch-bibliographischen Quellenmaterialien ergaben ein erweitertes, bisher nicht bekanntes Bild zur Autorin und werden in die Datenbank für weitere Forschungen eingehen.[3]Dem Literaturhaus Magdeburg, seiner stellvertretenden Leiterin Frau Dr. Behne-Kilz und ihrem Team, sei an dieser Stelle herzlich für die entgegenkommende Bereitstellung der Archivalien, für … Continue reading

References

References
1 Liane Bornholdt: Literaturhausbesuch. Hrsg.: Literaturhaus Magdeburg, Magdeburg 2007.
2 Birgit Herkula: Selbstauskunft: Projekte Ungedr. 2017.
3 Dem Literaturhaus Magdeburg, seiner stellvertretenden Leiterin Frau Dr. Behne-Kilz und ihrem Team, sei an dieser Stelle herzlich für die entgegenkommende Bereitstellung der Archivalien, für weiterführende Informationen, die Anfertigung von Kopien, die Publikationsgeschenke und nicht zuletzt für die freundliche Vermittlung an Zeitzeugen und Angehörige der Autorin sehr herzlich gedankt.