Home » Porträts und Fundstücke (Seite 2)

In dieser Rubrik stellen wir einzelne der von uns dokumentierten Autor*innen in Porträts sowie bemerkenswerte und kuriose Funde aus unseren Recherchen vor.

Archiv der Kategorie: Porträts und Fundstücke

Kurzporträt: Heidemarie Härtl

Von Birgit Dahlke

Heidemarie Härtl, geboren 1943 in Oelsnitz / Vogtland, nahm ihr Studium 1967 auf. Sie hatte zuvor Bauwesen an der Technischen Hochschule Dresden studiert, aber nicht abgeschlossen. Die Tochter zweier Funktionsträger der SED wurde 1970 exmatrikuliert, als letzte ihres Jahrgangs und im Nachgang harter Auseinandersetzungen um die Bewertung der Ereignisse in Prag 1968, aber auch um das Curriculum und um undemokratische Entscheidungsstrukturen am Institut. Ihr Ehemann Gert Neumann, den sie am Institut kennengelernt hatte, war ein Jahr zuvor exmatrikuliert worden.[1]Vgl. Isabelle Lehn; Sascha Macht; Katja Stopka: Schreiben lernen im Sozialismus. Das Institut für Literatur Johannes R. Becher. Göttingen 2018, Anm. 175, S. 87; S. 264; Anm. 298, S. 281, 363.

(mehr …)

References

References
1 Vgl. Isabelle Lehn; Sascha Macht; Katja Stopka: Schreiben lernen im Sozialismus. Das Institut für Literatur Johannes R. Becher. Göttingen 2018, Anm. 175, S. 87; S. 264; Anm. 298, S. 281, 363.

„Unziemlich indiskret“: Kuriose Details über die sportlichen Vorlieben einiger DDR-Autor*innen

Fundstück aus der Lyrik-Anthologie „Olympische Spiele“

Um bio-bibliografische Angaben zu erschließen, sichten wir systematisch die Paratexte von Anthologien, insbesondere deren Autorenverzeichnisse: Häufig finden sich hier Angaben zu Leben und Werk der an der Anthologie beteiligten Autor*innen. In einigen Fällen finden wir auch noch mehr, so wie in der von Rainer Kirsch und Manfred Wolter 1972 im Aufbau-Verlag herausgegebenen Anthologie „Olympische Spiele. Gedichte.“ Hier erfahren wir kuriose Details über die sportlichen Vorlieben und Erfolge der Dichter*innen.

(mehr …)

Kurzporträt: Angela Krauß

Von Birgit Dahlke

Angela Krauß 1984. Foto von Barbara Morgenstern. Quelle: SLUB / Deutsche Fotothek

Angela Krauß, geboren 1950 in Chemnitz, studierte von 1977 bis 1979 am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“. Die 26-Jährige hatte vor ihrer Aufnahme ans Literaturinstitut Werbeökonomie an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin studiert und am Literaturinstitut vom Fern- ins Direktstudium wechseln können. Das Leben ihres Vaters, eines leitenden Funktionärs im Uranbergbau, stellte sie ins Zentrum ihrer 1988 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichneten Erzählung „Der Dienst“ (1990).[1]Dass es 1988 möglich war, als in der DDR lebende Ostdeutsche an diesem Wettbewerb teilzunehmen, ist ein interessantes Detail der Literaturgeschichte der Ost-West-Beziehungen über die Mauer hinweg. … Continue reading

(mehr …)

References

References
1 Dass es 1988 möglich war, als in der DDR lebende Ostdeutsche an diesem Wettbewerb teilzunehmen, ist ein interessantes Detail der Literaturgeschichte der Ost-West-Beziehungen über die Mauer hinweg. Zwischen 1986 und 1989 gab es vier aus der DDR stammende Gewinner*innen des Bachmann-Preises. Außer Angela Krauß waren dies Katja Lange-Müller, Uwe Saeger und Wolfgang Hilbig. Ulrich Plenzdorf hatte ihn 1978 erhalten.

Kurzporträt: Katja Lange-Müller

Autorin: Birgit Dahlke

Katja Lange-Müller, geboren 1951 in Berlin, studierte von 1979 bis 1982 am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“. Obwohl sie mit 16 Jahren wegen „unsozialistischen Verhaltens“ ohne Abitur von der Schule verwiesen worden war und 1976 zu den Unterzeichner*innen der Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung gehörte, wurde sie – gegen den expliziten Einspruch der Leiterin der Abteilung Kultur des Zentralkomitees (ZK) der SED, Ursula Ragwitz[1]Isabelle Lehn; Sascha Macht; Katja Stopka: Schreiben lernen im Sozialismus. Das Institut für Literatur Johannes R. Becher. Göttingen 2018, S. 507. – zum Studium zugelassen. Die ausgebildete Schriftsetzerin, deren Mutter Inge Lange Mitglied des ZK der SED und Kandidatin des Politbüros war, hatte zuvor in ihrem Beruf und als Umbruchredakteurin gearbeitet und war mehrere Jahre Pflegerin in der Psychiatrie gewesen. Zur Immatrikulation am Literaturinstitut kam es durch ihren Namenswechsel. In Katja Müller (verheiratet mit Wolfgang Müller, dem Bruder Heiner Müllers) erkannten Kaderleitung und Sicherheitsorgane die Tochter der hohen SED-Funktionärin nicht. Der Namenswechsel ließ die Immatrikulation bis zu der Phase fortschreiten, dass sie nur unter peinlichem Skandal rückgängig zu machen gewesen wäre.[2]Vgl. Johannes Nichelmann: Portrait einer Schriftstellerin: Die autonome Republik Katja Lange-Müller. … Continue reading

(mehr …)

References

References
1 Isabelle Lehn; Sascha Macht; Katja Stopka: Schreiben lernen im Sozialismus. Das Institut für Literatur Johannes R. Becher. Göttingen 2018, S. 507.
2 Vgl. Johannes Nichelmann: Portrait einer Schriftstellerin: Die autonome Republik Katja Lange-Müller. https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-kulturfeature/schriftstellerin-katjalange-mueller-100.html – Minute 35-38.

Kurzporträt: Kerstin Hensel

Autorin: Birgit Dahlke

Kerstin Hensel, geboren 1961 in Karl-Marx-Stadt (bis 1953 Chemnitz), studierte von 1983 bis 1985 am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“, zunächst im Fern-, dann im Direktstudium. Die bei Studienbeginn erst 22-Jährige und damit jüngste Studentin in der Geschichte des Instituts hatte zuvor als chirurgische Schwester gearbeitet. Sie stammte aus einer Arbeiterfamilie und hatte Gedichte an die „Poetensprechstunde“, eine Rubrik der Zeitung „Junge Welt“, geschickt, woraufhin die junge Frau an den Zirkel Schreibender Arbeiter im Karl-Marx-Städter Werkzeugmaschinenkombinat Fritz Heckert verwiesen worden war. Dessen Leiterin Gabriele Berthel (selbst von 1981 bis 1984 Fernstudentin am Literaturinstitut) ermutigte sie zur Bewerbung. Für Hensel eröffnete sich damit ein Weg, auch ohne Abitur ein Studium aufnehmen zu können, als erste ihrer Familie.

(mehr …)