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Kurzporträt: Florian Kokot

Von Marianne Jacob

Gewiss ist es etwas Außergewöhnliches, wenn Vater und Sohn, zeitlich versetzt und unabhängig voneinander, ihre Schreibausbildung an derselben Institution erhalten: Florian Kokot studierte von 1973 bis 1976 am Becher-Institut in Leipzig; 33 Jahre später sein Sohn Sascha dort unter gesamtdeutschen Verhältnissen. Da der Schriftsteller Florian Kokot bereits 2016 verstarb, übernahm sein Sohn, mehrmals prämierter Autor und Fotograf, freundlicherweise die Beantwortung des Fragebogens, womit ich ihm hiermit sehr für die Unterstützung bei unserer Forschungsarbeit danke.

Mit freundlicher Genehmigung von Sascha Kokot

Florian Kokot wurde im Januar 1945 als Sohn eines Kunstmalers in einem Dorf an den Ausläufern des Eulengebirges, im Landkreis Glatz in Schlesien geboren.[1] Nach dem II. Weltkrieg besuchte er die Polytechnische Oberschule in Döbeln und erlernte den Beruf eines Drehers im VEB „Rotes Banner“, bevor er sein Abitur am Norbertinum in Magdeburg ablegte. Er arbeitete zunächst im St. Benno-Verlag, später bis 1971 als Buchhersteller im Johann-Ambrosius-Barth-Verlag in Leipzig. Den Grundwehrdienst absolvierte er bei der Bereitschaftspolizei in Leipzig.[2] Sich zu „Dichter[n] der expressionistischen Richtung“[3] zählend, bewarb sich Kokot zum Studium am Leipziger Institut. Er lernte bei Georg Maurer; zu seinen Kommilitonen gehörten Matthias Jastram, Wolfgang Knape und die mit einem Kubaner verheiratete Juliane Diaz, geb. Bambula. Zu seiner Abschlußarbeit gehörten Prosa und Gedichte.[4] Drei Gedichte werden hier mit freundlicher Genehmigung von Sascha Kokot vorgestellt. Florian Kokots Sohn äußert sich darüber: „Ich finde diese exemplarisch, da sie einerseits überschaubar genug für ein solches Archiv sind und anderseits von der eher untypischen Religiosität, der Landschaftsverbundenheit und den persönlichen Geschichten meines Vaters geprägt sind.“[5]

Die drei Gedichte „Mein frühes Fenster“, „Ein Anfang“ und „Polnische Osternacht“ aus der Abschlussarbeit von Florian Kokot (1976). Auswahl und freundliche Genehmigung von Sascha Kokot

Nach dem Studium arbeitete Kokot als Referent an der Stadt- und Bezirksbibliothek Leipzig und war anschließend Leiter der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg/ Altmark.[6] Aus Akten geht hervor, dass er in dieser Zeit durch das Ministerium für Staatssicherheit überwacht wurde.[7] Von 1982 bis 1988 war Kokot Leiter des Kreisheimatmuseums Osterburg und verzog 1991 in das Wesergebiet.[8]


[1] Sascha Kokot: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.

[2] Ebd.

[3] Protokoll über die Sitzung der Immatrikulationskommission SStAL, Institut für Literatur „Johannes R. Becher“, NR 2, BL. 204.

[4] https://katalog.slub-dresden.de/id/0-1653894032 [zuletzt aufgerufen: 30.06.2022].

[5] Sascha Kokot: E-Mail an Marianne Jacob am 29. Dezember 2021.

[6] Sascha Kokot: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.

[7] BStU, Vorgänge Osterburg und Magdeburg/ OPK „Lyriker“. Nach freundlichen Hinweisen von Sascha Kokot.

[8] Sascha Kokot: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.