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Kurzporträt: Mario Göpfert

„Am Rande einer großen Sandwüste lebt Said. Er ist noch ein Kind, aber seine Brüder sind schon erwachsen. Zusammen mit dem Vater, einer Herde Kamele und einer Gruppe Touristen, ziehen sie mehrmals im Jahr durch die Wüste. Wenn sie aufbrechen, hofft Said jedes Mal, dass sie ihn mitnehmen, doch stets heißt es, er sei noch zu klein für solch eine beschwerliche Reise. Niemals ziehen Saids Brüder los, bevor sie sich bei ihrem Großvater nach dem Zustand der Wüstenbrunnen erkundigt haben. Brunnen gibt es nur wenige dort draußen. Manchmal versiegt einer von ihnen. Said hat sich oft gefragt, woher der Großvater sein Wissen über die Brunnen habe, obwohl er seit Jahren nicht mehr in der Wüste gewesen ist. Eines Morgens, nachdem der Vater und die Brüder zu einer neuen Reise aufgebrochen sind, fasst er Mut und hockt sich neben den Großvater ans Herdfeuer. Zweimal muss er seine Frage nach den Brunnen wiederholen, bevor der Großvater eine Geschichte zu erzählen beginnt.

Vor vielen Jahren lebte in dieser Gegend ein Junge, der hieß Hassan. Sein Vater arbeitete für einen reichen Mann, der mit den Ländern im Norden Handel trieb. Stets waren die Kamele schwer beladen, wenn sie sich auf die Reise machten: Teppiche, Tuchballen, Säcke mit Kaffee schleppten die Tiere auf ihren Rücken. Viele Tage brauchte die Karawane, um zum Meer zu gelangen, wo ein Schiff auf die Waren wartete. Eines Tages sagte der Vater zu Hassan: „Du bist nun alt genug, mich zu begleiten.“ Voller Stolz begab sich Hassan mit seinem Vater und zwei Männern aus dem Dorf auf den Weg in die Wüste. Am dritten Tag kamen sie an einem Brunnen vorbei. Weil Hassan der Kleinste war, stieg er in den engen Brunnenschacht hinab und füllte das Wasser in Lederschläuche. Plötzlich sah er am Grund des Brunnens einen kleinen, papageibunten Fisch schwimmen. Verblüfft betrachtete ihn Hassan. Da schob der Fisch sein Maul aus dem Wasser sagte: ‚Bitte bringe mich zum Meer.‘ […]“

Mario Göpfert: Der Wüstenfisch, in: Gecko 2021. – Mit freundlicher Genehmigung von Mario Göpfert

Wie geht die Geschichte weiter, kann der kleine Fisch gerettet werden und wer ist eigentlich der Autor, der uns das Märchen vom „Wüstenfisch“ erzählt?

Mit freundlicher Genehmigung von Mario Göpfert.

Der Dresdner Schriftsteller Mario Göpfert, der von 1985 bis zur Wende freiberuflich arbeitete, danach verschiedene ABM-Tätigkeiten ausübte und seit 1996 wieder freier Autor ist[1]Mario Göpfert: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob., studierte von 1982 bis 1985 am Institut für Literatur „Johannes R. Becher” in Leipzig. Zu seinen Dozenten gehörten Peter Gosse, Marianne Schmidt, Helmut Richter und Hans Pfeifer. Mitstudenten waren u.a. Ulrich Kiehl, Roland Lampe, Werner Makowski und Norbert Marohn. Göpfert, der im „Zusammenhang mit den Unruhen Anfang Oktober 1989 in Dresden kurz inhaftiert”[2]Ebd. war, betrachtet sich „nicht als DDR-Schriftsteller, da der größte Teil“ seiner „literarischen Arbeiten in der Nachwendezeit entstanden ist“.[3]Ebd. Heute schreibt Göpfert Hörspiele, Radiogeschichten für Kinder und arbeitet „vor allem für den rbb und den Deutschlandfunk“.[4]Ebd.

Autorin: Marianne Jacob

References

References
1 Mario Göpfert: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Ebd.